Modellbahn: Neue Schwerpunkte

Wie ich schon beim Beitrag über den Rückbau meiner Gartenbahn geschrieben habe, hatte ich mich in den letzten Jahren hoffnunglos finanziell verhoben und inhaltlich verzettelt.

Heute möchte ich euch die Konsequenz erklären, die ich daraus gezogen habe. Im Kern lautet sie:

Genügsamkeit

Es ist geradezu eine Volkskrankheit bei Modellbahnern, dass sie nach den Sternen greifen. Kann ich gut verstehen, habe ich selbst den größten Teil meines bisherigen Lebens gemacht. Und immer, wenn ich mir etwas anderes vorgenommen habe (zum Beispiel eine Mikro-Anlage), ist sie unter die Räder eines anderen Großprojekts geraten.

Woran liegt’s? Das muss jeder für sich selber herausfinden. Bei mir war es eine Mischung aus Begeisterungsfähigkeit und einer… sagen wir mal Charakterschwäche: Ich bin ganz toll darin, Dinge anzufangen. Aber ich tue mich schwer damit, angefangene Dinge zu Ende zu bringen, bevor ich wieder etwas Neues beginne. Die Eisenbahnanlage im Garten hat definitiv darunter gelitten, dazu kamen dann noch zusätzliche Wünsche, wie im oben verlinkten Beitrag beschrieben.

Meine umgebaute Porter zieht Holztrucks auf der Gartenbahn meines Vaters

Ich habe aber gemerkt, dass mir von außen gesetzte Grenzen helfen. Neuestes Beispiel: Die Porter musste betriebsfertig werden für den Besuch bei meinen Eltern. Und plötzlich war es kein Problem mehr, noch ein paar Schichten Farbe auf den Kessel zu bringen und die originale Kuppelbohle wieder zu montieren, obwohl ich die wirklich hässlich finde. Am Ende konnte ich schöne Fahrten mit ihr machen, auch wenn Lokführer und Heizer noch unbemalt waren. Es störte einfach nicht mehr!

Was nehme ich daraus für meine Modellbahn-Aktivitäten mit?

Weniger ist mehr

Es reicht, wenn ich eine schöne Lok baue und daran Freude habe, wie sie fährt. Es reicht, wenn ich in Ruhe einen Wagen nach dem anderen baue, um für diese Lok einen schönen Short Train zu konstruieren.

Es reicht, dass ich fliegendes Gleis habe, auf dem die Lok jederzeit losfahren kann. Es reicht vielleicht auch noch, wenn ich dieses Gleis auf kleinen Modul-Platten befestige, die sich mit Erdankern in den Boden pflanzen lassen: Schnell aufgebaut, schön gefahren, schnell abgebaut, sicher verstaut.

Ich möchte deshalb in den kommenden Monate, oder vielleicht auch Jahren, vor Allem mein rollendes Material in kleinen Schritten ausbauen, bis ich eine(!) stimmige Garnitur fertig habe. Dann ist es früh genug, sich über die weitere Ausrichtung Gedanken zu machen. Glücklicherweise bin ich mir bei der thematischen Ausrichtung weiterhin sicher: Frühes 20. Jahrhundert, fiktive US-Shortline. Das hat mich seit meiner Kindheit fasziniert, dem bleibe ich treu.

Konzentrieren auf das Wesentliche

Auf jeden Fall werde ich mich mittelfristig von dem Gedanken verabschieden, meine eigene, fest installierte Gartenbahn zu errichten. Ich möchte statt dessen bei mir zu Hause auf fliegendem Gleis, allerhöchstens auf schlichten, mobilen Modulen fahren. Statt dessen möchte ich gerne Freunde und Bekannte besuchen und auf den dortigen Anlagen als Gastfahrer dabei sein. Gemeinsamer Betrieb mit mehreren Zügen macht eine Menge Spaß und dafür braucht es mehrere Personen und eine Anlage. Eine Anlage pro Person ist nicht notwendig.

Für mich bedeutet das eine Befreiung in mehrfacher Hinsicht: Ich kann meine begrenzten finanziellen Mittel auf den günstigsten Teil des Modellbahnerdaseins anwenden, auf das rollende Material. Ich habe keine Bau- und Wartungsarbeiten in meinem eigenen Garten, solange mir Zeit und Geld fehlen. Ich komme dazu, mich mit Freunden zu treffen, dich ich nur selten sehe – und dadurch habe ich wieder feste Termine, zu denen Sachen fertig werden müssen.

Wie gut das klappen wird? Das bleibt abzuwarten. Ich werde auf jeden Fall davon berichten.

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