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Joyrider: Bannerschlepp

Ein Freund war am Wochenende zu Besuch um für sich selbst und seinen Sohn ein wenig Modellflug zu üben. Ich muss nicht erst erwähnen, dass mich die Aussicht anspornte, den Joyrider tipp-topp vorzubereiten… und damit hatte ich auch die Gelegenheit, einen dieser Wünsche anzugehen, die ich in der Bestandsaufnahme erwähnt hatte. Nämlich Bannerschlepp.

Eine Schleppkupplung zu bauen ist an sich eine leichte Sache. Das Prinzip ist natürlich ein ferngesteuert öffnender Haken, in den eine Schlaufe der Schleppleine eingehängt wird. Beim Flugzeuschlepp (kurz: F-Schlepp) muss die Kupplung so konstruiert sein, dass der Servo kein Gewicht halten muss, aber hier fand ich das nicht notwendig. Und da ich im Rumpf des Joyriders nur wenig freien Platz habe, wurde einfach ein Servoarm zu einem Haken zurecht gefeilt und ein kleiner Servorahmen gebastelt.

Der Servohebel ist zu einem Haken geschliffen, der Servo sitzt auf einer Sperrholzplatte.
Der Servohebel ist zu einem Haken geschliffen, der Servo sitzt auf einer Sperrholzplatte.

Normalerweise werden bei ferngesteuerten Schleppflugzeugen die Kupplungen am Schwerpunkt eingebaut, obwohl die echten Schlepper sie im Leitwerk haben. Erstgenannte Methode ist sicherer für die Modelle, weil der Segler sie nicht versehentlich aus ihrer Fluglage zerren kann. Da ich aber nur leichtgewichtige Banner ziehen will und keine Lust habe, dass sich die Schleppleine im Seitenruder verheddert, habe ich einfach ein Loch in den Rumpfboden gebohrt und die Schleppkupplung direkt darüber platziert.

Die Bodenplatte wird mit Klettband im Rumpfboden fixiert.
Die Bodenplatte wird mit Klettband im Rumpfboden fixiert.

Ich möchte dieses Bauteil leicht ausbauen können und da keine seitlichen Kräfte auftreten können, habe ich die Schleppkupplung einfach mit Klettband im Rumpf befestigt.

Das Banner ist aus einem Stück Flatterband gefertigt, das ist nämlich sehr leicht und gleichzeitig widerstandsfähig. Die Vorderseite wird von einer kleinen Leiste gespannt gehalten, die an beiden Enden mit der Schleppleine verbunden ist. Ich bin nicht ganz sicher, ob Ballast notwendig ist, deshalb habe ich am unteren Ende einfach eine kleine Klammer angeklemmt.

Banner aus einem Stück Flatterband.
Banner aus einem Stück Flatterband.

Das andere Ende des Banners ist zu einem Fünftel der Länge in Streifen geschnitten. Aus alter Erfahrung weiß ich, dass ein geschlitztes Banner insgesamt stabiler in der Luft liegt.

Da ich mit dem Joyrider einige Abstürze hatte, wollte ich keinen Vorab-Testflug riskieren, der mir die Vorführung am Wochenende verderben könnte. Also war der erste Bannerschlepp wirklich ein Flug ins Blaue. Besonders die Anbringung am unteren Rumpf machte mir Sorgen und ich erwartete halb, dass der Joyrider direkt in einen Sturzflug gezerrt werden würde. Es stellte sich aber heraus, dass das gar nicht das Problem war.

Was ist also schiefgegangen? Zunächst einmal war ich so auf den Abwurf konzentiert, dass mein Blick für fast eine Sekunde an dem herabfallenden Banner hing. Mehr brauchte der Joyrider nicht, um sich in einen Sturzflug zu rollen. Zweitens flog ich tief, weil ich nicht wollte, dass das Banner zu weit abtreibt und im Acker verschwindet. Das nahm mir sozusagen den Raum für Fehler.

Jedenfalls nahm ich die Sache locker. Wie ich meinem etwas erschrockenen Publikum erklärte: Modelle zu fliegen bedeutet, dass man das Risiko für Abstürze in Kauf nehmen muss.

Jetzt hab eich erstmal Trümmer aufzuräumen. Und dieses Mal hat’s eine Menge gegeben:

Das Schraubengewinde der unteren rechten Tagfläche ist ausgerissen.
Das Schraubengewinde der unteren rechten Tagfläche ist ausgerissen.

Den unteren rechten Flügel hat’s glatt aus der Verschraubung gerissen. Erstmal sieht das nicht so tragisch aus, auch weil die Seitenruderflosse genau dasselbe abbekommen hat und abgesehen davon sieht sie unversehrt aus.

Auch das Gewinde des Seitenleitwerks ist ausgerissen.
Auch das Gewinde des Seitenleitwerks ist ausgerissen.

Der Rumpf hat die größte Wucht des Aufpralls eingesteckt und ist auf der rechten Seite eingerissen. Das hat den größten Teil der Aufprallenergie geschluckt und auch wenn es übel aussieht, sollte sich das doch leicht flicken lassen.

Der Rumpf ist auf der rechten Seite gerissen. Das hat die meiste Aufprallenergie absorbiert.
Der Rumpf ist auf der rechten Seite gerissen. Das hat die meiste Aufprallenergie absorbiert.

Eine gründlichere Untersuchung des Flügels zeigt aber eine Einkerbung der Wurzelrippe. Und das ist nicht gut, weil es auf eine gebrochene Rippe hinweist.

Am rechten Flügel ist die Wurzelrippe an der Endleiste eingedrückt.
Am rechten Flügel ist die Wurzelrippe an der Endleiste eingedrückt.

Also runter mit der Folie und der ganze Schaden tritt zutage. Beide Rippen sind an mehreren Stellen zerschmettert. Die müssen vollständig ersetzt werden.

Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass auch die zweite Rippe beschädigt ist.
Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass auch die zweite Rippe beschädigt ist.

Wie genau ich das machen will weiß ich noch nicht so genau. Ich könnte zwei Rippenhälften bauen und sie in den Holm einleimen, oder aber ich könnte den Holm auftrennen und dann wieder verschäften. Das wird sich noch zeigen.

Insgesamt war der Testflug aber ein Erfolg und ich habe eine Menge gelernt. Ein Banner am Flugzeugbauch einzuhängen funktioniert gut und der Abwurf funktioniert zuverlässig. Und eine neue Regel für den Schlepper-Pilot: Den Flieger im Blick behalten! 🙂

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